Alter Computer wieder schön - oder wie man Kunststoff entgilbt

vergilbter Commodore 64
Als Sammler der 80iger Jahre Computer sind sicher schon viele mit dem Problem der "gelben" oder "vergilbten" Kunststoffgehäuse konfrontiert worden. Die Gehäuse sehen aus, als wären sie Jahre lang in einem Raucherzimmer gestanden und haben durch das Räuchern die Farbe angenommen. Das mag vielleicht für einige auch zutreffen, doch im Allgemeinen ist es das Material bzw. die Materialmischung und der UV Anteil des Sonnenlichtes, der das Vergilben verursacht. Die Gehäuse bestehen aus ABS (Acrylnitril-Butadien-Styrol-Copolymere) einem thermoplastisch formbaren Kunststoff, der in seinem Urzustand farblos bis grau ist. Durch Zusatz von Farbstoffen werden die Granulate, die vorwiegend im Spritzgussverfahren verarbeitet werden, in allen erdenklichen Farben hergestellt. Um die Materialeigenschaften auch dahingehend zu optimieren, dass sie flammhemmend und schlecht brennbar sind, wird Brom zugesetzt. (quelle: Internet). Und genau das Brom verursacht mit UV Licht die Gelb-bräunliche Färbung des Materials.

Tasten eines Amiga 1200
Will man nun so ein altes Gerät restaurieren und wieder in seinem originalen Glanz erstrahlen lassen, so reicht es leider nicht, die Gehäuseteile mit Seifenlauge oder ähnlichen Mittelchen zu waschen. Hier löst sich zwar jeglicher Schmutz und Verunreinigungen, aber der "Gilb" bleibt. Ich habe an einem kleinen Teststückchen wirklich einiges versucht, die Vergilbung zu entfernen. Mit Isopropanol, Terpentin, Waschbenzin, Kunststoffreiniger, Scheuermilch, Platinenreiniger, etc. - alles vergeblich. Ein mechanischer Abtrag der Oberfläche durch Anschleifen funktioniert zwar, aber dann kann man das Gehäuse gleich entsorgen. Im Netz findet man eine geeignete Lösung. Es gibt hier ein Produkt namens "Retr0bright", das im Wesentlichen aus Wasserstoffperoxid und einem Verdickungsmittel besteht. Mit diesem Mittel bestrichen und dem direkten Sonnenlicht für mehrere Stunden ausgesetzt, wirkt es Wunder. Das Peroxid bleicht mit der UV-Strahlung die Verfärbung des Kunststoffes, sodass er wieder seine ursprüngliche Farbe annimmt. Also habe ich beschlossen, diese Methode zu testen und mir in einer Apotheke 12% iges Wasserstoffperoxid gekauft.

Peroxid und Verdickungsmittel
Als Verdickungsmittel wollte ich Xanthan verwenden, doch das war in unserem "Dorf" nicht zu bekommen. Hier wurde mir, ebenfalls in einer Apotheke ein Nahrungsverdickungsmittel auf Maisstärke-Basis verkauft. Auch das erfüllt seinen Zweck.  Was ich jedoch dabei gelernt habe - solche Dinge nicht mehr in einer Apotheke zu kaufen. Denn die Preise dort sind extrem. Allein für das Peroxid musste ich 28 Euronen hinblättern. Der "Dickmacher" kostete mich nochmal 16 Euro... Das bekommt man online viel, viel günstiger. Aber jammern hilft nicht - also machte ich mich an die Mischung. Eine halbe Tasse Peroxid und drei Teelöfel "ThickenUP" geben eine gut verarbeitbare Konsistenz. Mit einem Pinsel habe ich die Gehäuseteile möglichst gleichmäßig bestrichen und mit Frischhaltefolie abgedeckt. (Dies wird in einigen Internetforen beschrieben, um die Austrocknung der Bleiche zu verhindern) Dabei ist es notwendig, die Frischhaltefolie so glatt und faltenfrei wie möglich auf die Oberfläche aufzulegen. Jede Falte ist dann im Bleichergebnis zu sehen. Danach kommen dann alle Teile in die Sonne. Ich habe sie einen Tag lang in der Sonne liegen lassen, am nächsten Tag nochmal bestrichen und wieder der UV-Strahlung ausgesetzt.
1541II er Floppygehäuse beim "Bleichen"


Nach der Belichtungs- und Reinigungsprozedur wurde wieder zusammengebaut... Die Ergebnisse sind teilweise hervorragend, aber auch mittelmäßig. Besonders wichtig ist es, einen homogenen Auftrag der Bleiche und eine konstante gleichmäßige Ausleuchtung zu erreichen. Die Lösung mit der Frischhaltefolie funktioniert zwar, ist aber noch nicht das Gelbe vom Ei. Hier die Ergebnisse: 

Commodore C64
Amiga 1200

Treppenhausschalter mit Quecksilber



Ein Treppenhauslicht einer Wohnanlage wird ja meistens über Taster in jeder Etage aktiviert. Das Licht bleibt dann für einige Zeit eingeschaltet und erlischt dann (etwa ein bis zwei Minuten) wieder selbstständig. Das kennt jeder und hat auch sicherlich schon jeder einmal selber wahrgenommen. Realisiert wird solch eine Treppenhauslichtschaltung in der klassischen Elektroinstallation über einen sog. Treppenhausautomaten oder Treppenhauszeitschalter. Das ist ein, in den Energieverteiler eingebautes Gerät, das von den Größenordnungen inetwa so aussieht wie ein Sicherungsautomat (Leitungsschutzschalter). Dieser beherbergt eine elektronische Zeitschaltuhr die über ein Relais die Last ansteuert. In den modernen "Smart-Homes" und neuen innovativen Anlagen werden Bus gesteuerte Systeme für Lichtschaltungen eingebaut.

Quecksilberschalter
Doch wie wurde eine Zeitschaltung realisiert, als es noch keine Transistoren und Halbleiter gab, zu einer Zeit, als die Radios noch "Dampfradio" genannt wurden? Ich spreche hier von den Jahren um und nach dem zweiten Weltkrieg. Hier bediente man sich der physikalischen Eigenschaften von Metallen, die bei Raumtemperatur flüssig sind und deren Ausdehnungskoeffizient bei geringer Temperaturänderung groß genug ist, um eine einfache Detektion dieser, durchführen zu können. Ich spreche von Quecksilber. In Fieberthermometern ist dieses "Flüssigmetall" ja bekannt, aber es wurde auch in der Elektrotechnik eingesetzt.

In diesem Beispiel ist es ein Quecksilber-Zeitschalter. Das In dem evakuierten Glasgefäß befindliche Quecksilber, dient hier als Schaltmedium und schließt den Stromkreis eines Verbrauchers (Glühlampe), wenn es durch Erwärmung so weit ausgedeht ist, um die Kontakte zu erreichen. Die Erwärmung wiederum wird, durch einen, in das Glasgefäß eingebauten Heizwiderstand realisiert. Schließt man den Stromkreis zum Heizwiderstand durch Druck auf einen angeschlossenen Taster, so erwärmt sich der Widerstand und das Quecksilber beginnt sich auszudehnen. Nach 2-3 Sekunden hat das sich ausdehnende Quecksilber die Schaltkontakte erreicht und der Stromkreis zur Last ist geschlossen. Jetzt kann man den Taster los lassen und der Lastkreis bleibt weiterhin eingeschaltet. Doch nun, da die Heizung nicht mehr bestromt ist, kühlt sie und das Quecksilber wieder aus, was  zur Folge hat, dass es sich wieder zusammenzieht und nach ein paar Minuten den Stromkreis zur Last wieder öffnet.

Solche Schalter waren noch bis Anfang der 70ger Jahre in vielen Wohnanlagen zu finden. Sie waren in einem Bakelitgehäuse eingebaut und durch Ändern der Schräglage des Glaskörpers konnte die Zeitbasis verändert werden.








Hier der originale Text zur Montageanleitung:

 
Vor der Montage des Gerätes ist es notwendig, das Quecksilber richtig zu verteilen. Durch Schütteln und Drehen muß das Quecksilber in die gezeichnete Lage gebracht werden. Bei senkrechter Stellung des Schaltrohres soll das rechte Ende der Quecksilberfüllung bis zur Marke 1 reichen. Es ist dabei zu beachten, dass in der Quecksilberfüllung keine Gasblasen eingeschlossen werden. Der Napf ist ebenfalls bis zur Marke 2 mit Quuecksilber zu füllen. Danach kann der Automat festgeschraubt und angeschlossen werden.
15 Minuten nach dem ersten Schaltversuch ist zu kontrollieren, ob das Quecksilber wieder bis zur Marke 1 zurückgegangen ist. Wenn nötig ist dann durch neuerliches Einschütteln eine Korrektur vorzunehmen un die Probe zu wiederholen.
In der Mittelstellung beträgt die Schaltzeit cirka vier Minuten. Diese kann durch Drehen kürzer oder länger eingestellt werden.
Achtung! Der Lampenstromkreis darf höchstens mit 6A-Sicherungen abgesichert werden.

Hier ein kurzes Video, das die Funktion des Quecksilberschalters demonstriert: